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Die physiologische Knospenwelke im Raps

26/02/2021

Der plötzliche Wetterumschwung in den letzten Tagen ermöglicht es, dass inzwischen Sommergetreide gesät werden kann und auch die Düngemaßnahmen der Winterfrüchte vielerorts bereits laufen.

Eine derart schnelle und starke Temperaturänderung, wie in diesem Februar, konnte bisher noch nie in Deutschland beobachtet werden. Binnen einer Woche wurde in Göttingen sowohl ein Tiefstwert von minus 23,8 °C als auch ein Höchstwert von 18,1 °C gemessen. Während zweistellige Plusgrade für das generelle Wachstum der Pflanzen förderlich sind, kann ein schneller Anstieg um 41,9 °C der Physiologie der Pflanzen Schaden zufügen.

Die physiologische Knospenwelke zeigt, dass physiologischer Stress auch trotz gutem Wachstum, hohe Ertragsverluste verursachen kann. Wie der Name schon vermuten lässt, wird die physiologische Knospenwelke oft in der Blüte beobachtet, nachdem in den Wochen und Tagen zuvor starke Temperaturschwankungen gemessen wurden. Die Blüte der Bestände erscheint sehr ungleichmäßig und die Bestimmung einer Hauptblüte ist teilweise, aufgrund vieler Nachblüher, kaum möglich. Von diesem Phänomen sind die Haupttriebe besonders betroffen, teilweise sind sie jedoch auch an Nebentrieben zu beobachten. Bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass Knospen abgeworfen werden und Blütenstände vertrocknen. Diese Symptome dürfen jedoch nicht mit den Schäden der Rapsglanzkäfer verwechselt werden. Während die physiologische Knospenwelke zu getrockneten Stielen und Knospen führt, verbleiben bei Rapsglanzkäfer-Schäden kräftige, grüne Stiele. Ob ein Insektizideinsatz gegen die Knospenschäden helfen kann, ist deshalb nur im Detail zu erkennen. Die Anwendung von Schadschwellen für Rapsglanzkäfer wird empfohlen.

Die exakte Ursache der physiologische Knospenwelke konnte bisher nicht bewiesen werden, aber ein Nährstoffmangel des Blütenstands und Störungen im Hormonhaushalt werden aktuell als Ursachen vermutet. So führt etwa die Akkumulation von Abscisinsäure, einem Phytohormon, welches bei Trockenstress produziert wird, zum Abort der Knospen und so auch zu weniger Schoten pro Pflanze und einer geringeren Ertragsbildung.

Durch die plötzlich warmen Temperaturen und einer hohen Photosynthese-Leistung, wird der Übergang von der vegetativen in die generative Phase stark beschleunigt. So dauerte die Phase vom Beginn des Schossens bis zur Blüte beispielsweise 2018 nur zwei Wochen. Das Sprosswachstum geschieht entsprechend schneller, als es für eine adäquate Wurzelbildung wünschenswert wäre. So wurde die physiologische Knospenwelke vermehrt in Beständen, die nur schwach gewurzelt haben (z.B. aufgrund von Staunässe), beobachtet. Niederschlagsdefizite in den Hochtemperartur-Phasen scheinen den Effekt weiterhin zu verstärken. Hinweise darauf, dass Nährstoffakkumulation und -Transport eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen, sind in Beobachtungen von schweren, kühlen Böden mit stärkeren Problemen und organisch gedüngten Beständen, sowie anderen gut durchwurzelten Beständen, mit vergleichsweise wenig oder gar keiner Knospenwelke zu finden. Auf leichten Standorten hingegen ist, durch höhere Tag-Nacht-Temperaturschwankungen der Böden, früherer Wasserknappheit und teilweise geringeren Nährstoffgehalten der Böden, eine Kombination negativer Faktoren zu vermuten. Dementsprechend führen die zuvor genannten Effekte zu kurzzeitigem Nährstoffmangel in den Geschlechtsorganen der Pflanzen. 

Mit einer einseitigen, starken Stickstoffdüngung könnte ein Nährstoffungleichgewicht weiter gefördert werden. Dies wurde beispielsweise 2008 in einigen Rapsversuchen der FiBL beobachtet, in denen eine schwache Herbstdüngung in Kombination mit hohen N-Gaben im Frühjahr zu besonders starken Symptomen führten. Ein Zusammenhang mit der reduzierten Aufnahme von Mikronährstoffen, wie Calcium und Bor, wurde deshalb schlussfolgernd vermutet. Ein gesunder Rapsbestand ist in der Lage einen Großteil der Knospenverluste zu kompensieren. Die Bildung neuer Triebe und das Nachblühen erschweren jedoch den Pflanzenschutz und verschieben den Erntezeitpunkt weit nach hinten, da mit der Ernte auf das Abreifen der Nachblüher gewartet werden muss. Um den Welke unterversorgter Knospen zu verhindern oder zu vermindern, empfiehlt sich eine Blattdüngung mit Mikronährstoffen vor dem Auftreten von Symptomen. Diese werden unabhängig von der Wurzel aufgenommen und verhindern so ein lokales Nährstoffungleichgewicht. Deshalb können wir Ihnen die Verwendung einer Kombination von Complesal® MicroMix und Complesal® B Max pH im Rahmen des Insektizideinsatzes im Frühjahr empfehlen, um in diesem Jahr gegen die physiologische Knospenwelke vorzubeugen und ein Nährstoffungleichgewicht zu verhindern. Insbesondere die im Rapsanbau häufig verwendeten Pyrethroide verlieren ihre Wirkung bei pH-Werten von über 7. Hier wäre etwa bei alkalischem, kalkhartem Wasser mit einem hohen Wirkverlust und einer Induktion von Phyrethroid-Resistenzen zu rechnen. Indem es den pH-Wert der Spritzbrühe mittels eines Puffersystems stabilisiert, sichert Complesal® B Max pH deshalb außerdem die Wirkung der verwendeten Pflanzenschutzmittel, selbst bei ungünstiger Beschaffenheit des Spritzwassers.

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